1. Die Binomialverteilung
Aus einem Beutel mit 30 weißen und 70 roten Kugeln wird ein Kugel gegriffen und nach Notieren der gezogenen Farbe mit r oder w wieder zurückgelegt. Dies geschieht 10 mal hintereinander. Als Ergebnis dieses Vorgangs liegt dann eine Reihe wie z.B. r r w r w w r r r w vor.
Es stellt sich die Frage: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wie in diesem Fall 4 weiße und 6 rote Kugeln aus dem Beutel gezogen werden ?
Wichtige Begriffe und Grundgesetze der Wahrscheinlichkeitsrechnung (anklicken !)
Die Wahrscheinlichkeit für das Ziehen einer weißen Kugel ist p = 3/10, die Gegenwahrscheinlichkeit q = 1-p zur roten Kugel ist 7/10 .
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine bestimmte Reihenfolge wie „r r w r w w r r r w“ einstellt ist p4 · q6 . Die Wahrscheinlichkeit, dass genau 4 weiße und 6 rote Kugeln gezogen werden, ist erheblich größer, denn es sind j = 10! / (4! · 6!) = 10! / (4! · (10 - 4)!) verschiedene Reihenfolgen von 4 weißen und 6 roten Kugeln möglich sind.
Für die Wahrscheinlichkeit w, k weiße und m - k rote Kugeln zu ziehen, gilt:
w = [m! / [k! · (m - k)!]) ] · pk · (1 - p)(m-k).
p ist die Wahrscheinlichkeit dafür, dass eine weiße Kugel gezogen wird.
Für
(m! / [k! · (m - k)!]) wird
geschrieben.
Sprich k aus m oder m über k .
Das Diagramm (Binomialverteilung) in der Abb. 1 zeigt die Wahrscheinlichkeiten zu verschiedenen k für den Fall, dass m=14 Kugeln gezogen werden und Rot und Weiß gleich wahrscheinlich sind (m =14, p = q = 0,5).
Es wird mit „n=20;p=0,5;m=14;x=k; z=m!/(k!*(m-k)!)*p^m; k=k+1; l=x“ in sim.html erzeugt ( pm = pk·q(m-k), p = q , x=k) .

Abb. 1
Wird das obige Programm durch y=0,21*exp(-0,135*(x-7)^2) ergänzt, dann erscheint nach der Ausführung des erweiterten Programms noch der Graph (rot) der Funktion y=a · e-b*(x-m/2)^2 (a = 0,21 und b = 0,135) (siehe Abb. 2). Er ist der Binomialverteilung angepasst worden .

Abb.2
a steht für die Höhe des Diagramms und b ist maßgebend für die Breite. Nach den Ausführungen im Kapitel „Varianz und Standardabweichung“ gilt für den halben Abstand zwischen den Wendepunkten mit den x-Koordinaten xW :
σ = √( 1/( 2 · b)), |xW – m/2| = σ (siehe Abb.2).
σ2 = 1/( 2 · b) → b = 0,5/ σ2
y = a·e-b·(x-m/2)^2 = a·e-0,5·[(x-m/2) / σ]^2
a ist maßgebend für den Inhalt A der Fläche unter dem Graphen der Exponentialfunktion. Dieser Flächeninhalt gleicht dem Flächeninhalt aller in der Abb. 3 sichtbaren Rechtecke mit einer Längeneinheit als Breite. Der Flächeninhalt eines solchen Rechtecks über x = k ist der Größe nach gleich der Wahrscheinlichkeit des zu k gehörenden Ereignisses. Da die Summe aller Wahrscheinlichkeiten gleich 1 ist, folgt: A muss den Wert 1 haben. Es wird vermutet, dass der Faktor a nach Kenntnis von A berechnet werden kann.

Abb. 3
Die Graphen in der Abb. 3 wurden mit dem folgenden Programm angelegt:
u=k+0,5; x=x+0,01; k=int(x);v=14!/(k!*(14-k)!)*0,5^14; y=0,21*exp(-0,135*(x-7)^2); l=x;
σ2 = 1/( 2 · b) → σ14 = 1,92
y = 0,21· exp(-0,5*((x-7) /1,92)^2)
Der Flächeninhalt A unter y= a·e-0,5·[(x-m/2) / σ]^2 unterscheidet sich nicht von dem unter y= a·e-0,5·[x / σ]^2, denn m/2 bewirkt nur eine Verschiebung des Graphen entlang der x - Achse.
a·e-0,5·[x / σ]^2 · h ist der Flächeninhalt eines schmalen Rechtecks unter der Glockenkurve mit der Breite Δx = h . x ist die x-Koordinate eines die Grundseite des Rechtecks halbierenden Punktes.
Flächeninhalt A= a ·Σ e- 0,5·[x / σ]^2 · h = a · σ · Σ e- 0,5·[x / σ]^2 · h / σ, x / σ = u, h / σ = Δu
↓
A= a · σ · Σ e- 0,5· u^2 · Δu
Zur Berechnung von S = Σ e- 0,5· u^2 · Δu wird das Programm „n=10000; S=S+2*exp(-0,5*(u-0,00015)^2)*0,0003; u=u+0,0003;“ im Fenster des hier vorhandenen Rechenprogramms geschrieben.
Wie läuft die Rechnung ( mit Wiederholung) ab?
Das Intervall [0;3] wird gedanklich in Teile Δu = 0,0003 eingeteilt. Zu den Abschnitten werden die Produkte 2*exp(-b*(u+0,00015)^2)*0,0003 gebildet und summiert.
Anmerkung: u+0,00015: x - Koordinate der Mitte eines Intervalls der Länge 0,0003!
Mit dem Faktor 2 vor exp(-b*(x+0,00025)^2) werden die Werte zum Intervall [-3;0] mitgezählt.
Die Beschränkung auf das Intervall [0;3] ist angebracht, weil e- 0,5· u^2 für u > 3 kaum von 0 abweicht.
Ergebnis: Σ e- 0,5· u^2 · Δu = S = 2,507
A= a · σ · Σ e- 0,5· u^2 · Δu = 1 → a · σ · S = 1
a · σ = 1/2,507 → a = 1/( 2,507· σ)
a hängt der Größe nach von m ab. Diese Abhängigkeit soll nun auch experimentell untersucht werden. Es werden die Höchstwerte a von y=m!/(k!*(m-k)!)*0,5^m für m= 30, 40 und 50 über k = x = m/2 mit dem schon genannten Rechenprogramm bestimmt. In der nächsten Tabelle ist a zu den genannten Werten von m eingetragen.
|
m |
a |
a^2 |
m*a^2 |
|
30 |
0,1446 |
0,02105 |
0,630 |
|
40 |
0,1253 |
0,01562 |
0,625 |
|
50 |
0,1123 |
0,0126 |
0,63 |
Die Tabelle lässt folgenden Schluss zu: m·a2 = 0,63 → a = √ (0,63/m) = 1/√(1,587·m)
1,587 sieht nach 1/2· π aus.
Vermutlich gilt: a = 1/√(0,5· π·m)
Damit kann nach a · σ · 2,507 = 1 mit m auch 1/σ2 berechnet werden.
1/σ2= 2,5072 · a2 = 2,5072 / (0,5· π·m) = 4,0018 / m
Bei höherer Genauigkeit gilt vermutlich: 1/σ2 = 4 / m
↓
y = a·e-0,5·[(x-m/2) / σ]^2 = (1/√(0,5· π·m))·e-(2/m)·(x-m/2)^2
Mit dem folgenden Programm können die letzten Aussagen zu verschiedenen Werten m auf ihre Richtigkeit geprüft werden.
m=50;x=x+0,01;k=int(x); u=k; v=m!/(k!*(m-k)!)*0,5^m; y=1/wrz(0,5*pi*m)*exp(-2/m*(x-1/2*m)^2);l=x
Binomialverteilungen und die zu ihrer Beschreibung dienende Exponentialfunktionen werden damit zum Vergleich dargestellt. Für den Fall m = 50 erhält man die in der Abb. 4 sichtbaren Graphen.

Abb. 4
Wie muss die Funktion y = (1/√(0,5· π·m))·e-(2/m)·(x-m/2)^2 = (1/√(0,5· π·m))·e-(1/(m·0,5))·(x- 0,5·m)^2 geändert werden, wenn sie auch für p≠ 0,5 gelten soll.
p· (1-p), die Wahrscheinlichkeit für eine bestimmte Reihenfolge, muss in die Funktion eingehen.. Die Änderung muss so sein, dass die geänderte Funktion für p = 0,5 mit der hier angegebenen Funktion übereinstimmt. Es liegt nahe, 0,5 durch 2· p· (1-p) zu ersetzen. Eine Prüfung auf Gültigkeit mit dem nachfolgenden Programm zeigt jedoch, dass diese Änderung einen Fehler hat (siehe Abb.5).
m=30; p=0,3; n =20; x=x+0,01; k=int(x); u=k; v=m!/(k!*(m-k)!)*p^k*(1-p)^(m-k); y= 1/wrz(2*p*(1-p)*pi*m)*exp(-1/(2*p*(1-p)*m)*(x-(2*p*(1-p))*m)^2); l=x
Die Form des Funktionsgraphen erscheint richtig, aber nicht die Lage. Der Graph muss nach links verschoben werden. Für die Verschiebung ist der im Programm unterstrichene Teil maßgebend. Wird statt 2*p*(1-p) nur p geschrieben, dann gelingt eine gute Anpassung (siehe Abb. 6).
m=30; p=0,3; n =20; x=x+0,01; k=int(x); u=k; v=m!/(k!*(m-k)!)*p^k*(1-p)^(m-k); y= 1/wrz(2*p*(1-p)*pi*m)*exp(-1/(2*p*(1-p)*m)*(x- p*m)^2); l=x
Demnach ist y = (1/√(2·p·(1-p)· π·m))·e-(1/(m·2·p·(1-p)))·(x- p·m)^2 die zur Binomialverteilung passende Exponentialfunktion.

Abb.5

Abb.6
2. Über die Verteilung von Messfehlern
Wir gehen davon aus, dass Messfehler f Summen aus m sehr kleinen mit der Wahrscheinlichkeit p = 0 ,5 auftretenden Fehlern fe und fe' sind. fe vergrößert einen Messwert und fe' verkleinert ihn (er ist negativ). f ist demnach gleich einer Summe aus fe und fe'. Bei vielen Messungen mit jeweils m Fehlern wird sich eine Binomialverteilung der fe und fe' einstellen.
Setzt sich ein Fehler f aus k Werten der Größe fe ( Mittelwert = j ) und m-k Werten der Größe fe' ( Mittelwert = -j ) zusammen, dann gilt:
f = j·k – (m-k)·j = 2 · j·k - m·j → f /(2·j) = k - m/2 = k – p·m
Die Wahrscheinlichkeit des Fehlers f ist demnach W(f) = 1/√(p· π·m)·e-[1/(p·m)]·(k-p·m)^2 = 1/√(p· π·m)·e-[1/(p·m)]·[f/(2·j)]^2 . Die Fehler f mit gleichen k gehören zu einem Intervall der Breite 2·j, denn wenn sich k um 1 ändert, dann ändert sich der zugehörende Fehler f nach f = 2 · j·k - m·j um 2·j.
W(f) = [1/√(p· π·m)]·e-[1/(p·m)]·[f / (2·j)]^2 ist die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Fehler f in ein Intervall der Breite 2·j fällt.
w(f) = [1/√(p· π·m)]·e-[1/(p·m)]·[f / ( 2·j )]^2 / ( 2·j) = [1/√(p· π·m · 4 · j2 )]·e-[1/(p·m)]·[f / (2 · j )]^2 ist die zugehörende Wahrscheinlichkeitsdichte.