4.3 Fehler von Summen, Differenzen, Produkten und Quotienten

4.3.1 Die Varianz einer Summe und einer Differenz

Abb. 1

Die Seiten a, b, c, d, e des Fünfecks werden mit den Varianzen σa2 , σb2 , σc2 , σd2 und σe2 gemessen.

Behauptung: Für die Varianz des Umfangs gilt: σU2 = σa2 + σb2 + σc2 + σd2 + σe2.

Diese Behauptung ist dann richtig, wenn die Varianz einer Summe a+b gleich der Summe aus den Varianzen der Summanden ist.

σa+b2  =  σa2 + σb2



Beweis der Behauptung: σa+b2  =  σa2 + σb2

Der Messfehler von a sei fa und der von b sei fb. Der Messfehler von a+b ist fa + fb.

fa+b2 = (fa + fb)2 = fa2 + fb2 + 2 · fa · fb

Für die Varianz von a+b gilt: σa+b2 = Σfa+b2 /n = ( Σfa2 + Σfb2 + Σ2 · fa · fb )/ n (n: Zahl der Messwerte).

Σ2 · fa · fb kann gleich 0 gesetzt werden, denn bei einer großen Zahl von Messwerten ist die Wahrscheinlichkeit für ein Produkt fa · fb genauso groß wie die Wahrscheinlichkeit für ein Produkte -fa · fb .

Somit kann geschrieben werden:  Σ(fa + fb)2 = Σ fa2 + Σ fb2.  

   σa+b2  =  σa2 + σb2

σa2 + σb2 ist auch die Varianz σa-b2 einer Differenz a-b.

Begründung: (fa - fb)2 = fa2 + fb2 - 2 · fa · fb




4.3.2 Die Varianz eines Produkts und eines Quotienten

Bei Produkten a· b und Quotienten a/b  ist die Berechnung der zugehörigen Varianzen σa·b2 und σa/b2  aus σa2 und σb2 nicht so einfach, weil die Fehler dieser Terme nicht durch Addition bzw. Subtraktion aus den Fehlern ihrer Glieder berechnet werden können. Ein einfaches Additions–  bzw. Subtraktionsgesetz gilt jedoch für Fehler der  Verhältnisse  a* = a/aM und b* = b/bM .

a und b sind einzelne Messwerte, aM und bM sind die wahren Größenwerte bzw. Mittelwerte einer großen Zahl von a und b,.

a*(wahr) = b*(wahr) =1


Beweis der Behauptung:

fa*·b*  = (1 + fa*) · (1 + fb* ) – 1 = fa* + fb* + fa* · fb*

Die Fehler sind Abweichungen von 1 !

fa* · fb* ist gegenüber fa* + fb* vernachlässigbar klein.    →       fa*·b*  ≈ fa* + fb*

fa*/ b*  = (1 + fa*) / (1 + fb* ) – 1 =    ( fa* -  fb* ) / (1 - fb*)

fb* ist gegenüber 1 vernachlässigbar klein.    →   fa*/ b*  ≈    fa* -  fb*

       σa*·b*2 =  σa*2 +  σb*2 ;    σa*/b* 2 =  σa*2  + σb*2